Das Projekt VERS

VERS – VERkehrszugangsSysteme:
Einfluss der Nutzerbeteiligung auf Einstellungen zu Verkehrszugangssystemen

img_0034Ziel von VERS ist es zu erforschen, inwiefern die Partizipation der Nutzerinnen und Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs bei der Ausgestaltung von modernen RFID-basierten Verkehrszugangssystemen Einstellungen ändert und damit eine höhere Aufgeschlossenheit für neue Lösungen gefördert werden kann.

Dazu sollen in VERS die Einstellungen gegenüber IT-basierten, insbesondere RFID-gestützten Verkehrszugangssystemen erforscht werden, die Gründe für eine ablehnende Haltung gegenüber dem System identifiziert werden und am Praxisbeispiel untersucht werden, ob und inwiefern bestimmte Partizipationsverfahren (Planungszelle und Online-Dialog) Lösungsansätze darstellen, auf der individuellen Ebene Nutzen und Kosten abzuwägen und Einstellungen zu verändern.

Auf der gesellschaftlichen Ebene geht es darum, die unproduktive Konfrontation zwischen IT-Wirtschaft und kritischer Zivilgesellschaft aufzubrechen. Das Projekt soll ergründen, wie Bürgerinnen und Bürgern in einer zunehmend unübersichtlicher werdenden und diffuse Ängste auslösenden digitalen Welt mehr Selbstbestimmungsrechte gegeben werden können und es soll erforschen, wie Akzeptanzkonflikten durch das Konzept „Privacy by Design“ schon im Vorfeld begegnet werden kann.

Konkret wird dazu ein Bürgergutachten „RFID im Berliner ÖPNV“ entwickelt, das den Verkehrsunternehmen im Sinne einer partizipativen Technikentwicklung Handlungsvorschläge zu einer bestmöglichen Akzeptanz neuer Technologien im Verkehrszugang (z.B. E-Ticketing) unterbreitet.

Verlauf

Im ersten Schritt des Projektes wurde die vorhandene Forschungsliteratur zum Thema der Einstellungen und Vorbehalte gegenüber RFID (Radio Frequency Identification) ausgewertet und in einem Literaturbericht zusammengetragen.

Daran anschließend wurde mithilfe einer Befragung von ÖPNV-Nutzerinnen und Nutzern in Berlin erhoben, welche Vorbehalte Bürgerinnen und Bürger überhaupt gegenüber solch einem modernen Verkehrszugangssystem empfinden und welche Anforderungen erfüllt sein müssen, um es zukünftig zu nutzen.

Im dritten Schritt wurde eine Kurzplanungszelle durchgeführt, bei der 23 Teilnehmer und Teilnehmerinnen zwei Tage lang gemeinsame Strategien zur nutzerfreundlichen Entwicklung solch eines Verkehrszugangssystems erarbeiteten, die schließlich in einem Bürgergutachten „RFID im Berliner ÖPNV“ münden. Die Einstellungen gegenüber solch einem System werden einmal vor und einmal direkt nach Teilnahme an der Kurzplanungszelle erhoben, wodurch mögliche Einstellungsänderungen aufgrund der Teilnahme an diesem Beteiligungsformat sichtbar gemacht werden. Zusätzlich werden die Teilnehmer der Kurzplanungszelle mit einem qualitativen Interview zu ihren möglichen Einstellungsänderungen befragt.

p1090638Im Anschluss an die Planungszelle wurden die Ergebnisse aufbereitet und stellten die Basis des mehrwöchigen Online-Dialogs unter www.zukunftsticket.berlin dar. Dabei hatten online mehr Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, ihre Meinungen, Erfahrungen und Ideen zum Berliner Verkehrszugang einzubringen und die Ergebnisse der Planungszelle zu ergänzen. Auch die Ergebnisse des Online-Dialogs werden derzeit aufbereitet  und in einem Bericht zusammengefasst, der das entwickelte Bürgergutachten ergänzt. Darüber hinaus werden die Teilnehmenden der Online-Diskussion mit einem Fragebogen zu ihren möglichen Einstellungsänderungen aufgrund der Diskussionsteilnahme befragt.

Im fünften Schritt werden zwei Strategieworkshops organisiert. Der erste Strategieworkshop soll mit Kontrolleurinnen und Kontrolleuren der WISAG abgehalten werden, um die möglichen Auswirkungen der Einführung eines Check In/Be Out-Systems auf den Aufgabenbereich der WISAG und die Konzeption neuer Aufgabenbereiche zur Sicherung der Präsenz von Betreuungspersonal im ÖPNV zu analysieren. Bei einem zweiten Strategieworkshop werden relevante Vertreter des ÖPNV (Verkehrsbetreiber, Serviceunternehmen, Fahrgäste, Technologieentwickler, Datenschutzbeauftragte sowie Verkehrs- und Mobilitätsforscher) eingeladen, um einen ganzen Tag lang auf Grundlage der Projektergebnisse und des Bürgergutachtens Empfehlungen für Wirtschaft und Politik zu Maßnahmen zur Förderung der Einführung von RFID-gestützten Anwendungen im Nahverkehrsbereich in Umsetzungsszenarien und einem Strategiepapier zu formulieren.

I. Kontextualisierung (Literaturbericht, Praxisrecherche)

II. Quantitative Erhebung im Berliner ÖPNV

III. Partizipative mit Kurzplanungszelle und Wissenschaftskommunikation

IV. Qualitative Interviews mit Teilnehmern der Kurzplanungszelle und Fragebogen

V. Workshops (Sicherheitsmitarbeiter und RFID-Umsetzungsszenarien)

VI. Strategiepapier und Abschlussbericht aufeinander aufbauende Arbeitspakete, Methodenmix aus Desk Research, quantitativer und qualitativer Sozialforschung, Vorher-Nachher-Design

Blog zum Projektverlauf