Wie sieht das Ticket der Zukunft aus? – ein Interview mit Elke Fischer

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Ein deutschlandweites Ticket für den Öffentlichen Personennahverkehr klingt hoch innovativ. Welche konkreten Vorteile brächte ein Deutschland-Ticket mit sich?

Ganz kurz – Einsteigen und Fahren. Der Fahrgast hat deutschlandweit sein (((eTicket dabei und ist berechtigt überall den ÖPV zu nutzen. Je nach Ausbaustufe benötigt er kein Tarifwissen mehr und damit sinkt die Zugangsbarriere zur Nutzung des ÖPV drastisch. In der eigenen Region weiß man vielleicht gerade noch welches das richtige Ticket für die gewünschte Fahrt ist. Bewegt man sich in anderen Tarifregionen wird es schwierig. Diese Vereinfachung setzt allerdings (((eTicket-Systeme mit automatisierter Fahrpreisermittlung mittels An- und Abmeldung (Check-In / Check-Out) voraus.

Aber auch ohne die automatische Fahrpreisermittlung lässt sich das (((eTicket in unterschiedlichen Verkehrsverbünden und -unternehmen nutzen. Der gemeinsame Standard erlaubt die parallele Speicherung von Fahrberechtigungen. So kann ein Fahrgast der zu Hause ein Check-In / Check-Out System (CICO) nutzt in einer fremden Region z.B. ein Einzelticket auf seinem (((eTicket Deutschland speichern.

Konkret würde ein deutschlandweites Ticket die Nutzung und den Zugang zum ÖPV eben auch deutschlandweit vereinfachen und attraktiver machen.
Der Fahrgast besitzt in jedem (((eTicket-System die notwendige Voraussetzung mitzufahren.

Was sind die momentan größten Hürden für ein solches Deutschland-Ticket?

Um das eTicket deutschlandweit einsetzen zu können, müssen zuerst die regionalen Systemvoraussetzungen geschaffen werden. Verkehrsunternehmen und

-verbünde müssen in ihren Regionen einsprechende Systeme ausbauen. Dies passiert aktuell in unterschiedlichen Ausbauvarianten und unterschiedlicher Geschwindigkeit.

Das richtet sich aber immer auch nach den Möglichkeiten, Bedarfen und Prioritäten der einzelnen Verkehrsunternehmen. Sind die regionalen Voraussetzungen geschaffen, kann auch die Nutzung über die „regionalen“ Systemgrenzen hinaus erfolgen. Dafür sind bereits alle gemeinsamen Infrastrukturbedingungen geschaffen worden.

Als letzter Baustein in der landesweiten Infrastruktur fehlen noch die Vereinbarung und das System zum gegenseitigen Clearing der Leistungen für die erzielten Einnahmen. Dieses Projekt befindet sich derzeit in Planung und wird als durch den Bund geförderte Infrastrukturmaßnahme zur Vernetzung des ÖPV im kommenden Jahr aufgebaut.

Bezogen auf dahingehende Verkehrszugangssysteme: Wie könnte RFID-Technologie bei der Umsetzung eines Deutschland-Tickets von Nutzen sein?  

RFID-Technologie ist an der Schnittstelle zum Fahrgast (Kundenmedium) Grundlage von (((eTicket Deutschland. Die Ausgabe der Fahrtberechtigungen, die Erfassung der Nutzung und die Kontrolle von Fahrtberechtigungen erfolgt kontaktlos über eine RFID-Schnittstelle.

Die kontaktlose Nahfeldkommunikation bietet eine zuverlässige Form der schnellen Datenübertragung die ohne Koppeln oder Einloggen von Geräten funktioniert. Für ein Massenprodukt wie elektronische Tickets kommen nur Technologien in Frage, die für den Fahrgast schnell und unkompliziert in der Anwendung sind. Für die Verkehrsunternehmen bedeutet der Einsatz der RFID Technik eine verschleißarme Infrastruktur und dank der soliden internationalen Standardisierung einen hohen Investitionsschutz und Flexibilität bei der Wahl der Zulieferindustrie.

Dank der Harmonisierung des NFC-Standards in Mobilfunkgeräten, lassen sich in naher Zukunft Smartphones und Chipkarte in derselben (((eTicket-Infrastruktur nutzen.

Die RFID-Technologie bietet sowohl für den Fahrgast als auch die Verkehrsunternehmen einen komfortablen und sicheren Zugang zu Distribution und Kontrolle elektronischer Tickets.

Beim e-Ticketing gibt es auch immer wieder die Angst vor Tracking und einem Missbrauch von Daten. Wie sieht die voraussichtliche Nutzung und Sicherung der Daten bezüglich des Deutschland-Tickets aus?

Die Erfassung der Nutzung und Kontrolle ist ein wichtiges Kriterium im (((eTicketing. Die erfassten Daten, die in Hintergrundsysteme übertragen werden, sind alle nur auf Berechtigungs-IDs bezogen und beinhalten keine persönlichen Kundendaten. Ein Personenbezug wird, wenn ein datenschutzrechtlicher legitimer Grund vorliegt, wie z.B. im Falle der nachträglichen Abrechnung von Fahrten aus CICO-Systemen nur beim Kundenvertragspartner des Fahrgastes hergestellt. Dieser verknüpft die Berechtigungs-ID mit den entsprechenden Kundendaten. Das heißt die Kundendaten liegen ausschließlich beim Kundenvertragspartner und nicht auf den zentralen Systemen von (((eTicket Deutschland. Die Kundenvertragspartner sind i.d.R. die regionalen Verkehrsunternehmen oder –verbünde und unterliegen damit dem deutschen Datenschutz und dürfen die Daten nur zu legitimen Zwecken nutzen. Über die Art der Nutzung muss das Unternehmen seine Kunden informieren müssen.

Daher wird nur gespeichert was dem Verbraucherschutz, Datenschutz und Fahrgastrecht entspricht.

Das Thema Datensicherheit hat bei (((eTicket Deutschland den höchsten Stellenwert. Als Grundstein aller zentralen Systeme existiert eine eigene IT-Sicherheitsinfrastruktur, die über ein eigenes Ende-zu-Ende verschlüsseltes Netzwerk kommuniziert.

Grundsätzlich gilt, dass um die Vorteile eines (((eTickets zu nutzen, Daten erforderlich sind. Natürlich lässt sich durch einen Check-In und einen Check-Out und der darauf folgenden Berechnung des günstigsten Tarifs auch zurückverfolgen, welche Strecke der Nutzer (das ist nicht zwingend der Inhaber des Kundenvertrages) des (((eTickets mithilfe des ÖPV zurückgelegt hat. Dies kann aber nicht jeder, sondern nur der Kundenvertragspartner des Fahrgasts. Das prophylaktische Anlegen von Bewegungsprofilen ist aber nach deutschem Datenschutzrecht kein legitimer Grund und daher auch den Kundenvertragspartner verboten.

Für alle Fahrgäste die grundsätzlich nicht wollen, dass ein Kundenprofil bei ihrem ÖPV-Unternehmen existiert, gibt es das eTicket auch als anonyme Pre-Paid Variante. Diese kann an Automaten erworben und aufgeladen werden. Allerdings sind bei diesem Verfahren zusätzliche Services wie „Best-Price“ oder multimodale Verknüpfungen nicht möglich.

Ist das Konzept eines überregionalen Tickets auch über deutsche Grenzen hinaus realisierbar?

EFi: Ein solches Konzept ist auch über die Grenzen Deutschlands hinaus realisierbar. Im Rahmen der europäischen Zusammenarbeit der ÖPV-Applikationsanbieter in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Luxemburg wird daran bereits gearbeitet.

Zu diesem Zwecke wurde die Smart Ticketing Alliance (http://www.smart-ticketing.org/category/alliance/membership/founding_members/)  gegründet. Ziel ist es eine technische Lösung zu schaffen, die den Kunden nicht dazu zwingt mehrere Chipkarten oder Kundenprofile nutzen zu müssen. Im Fall der Chipkarte ist es schon erprobt, beispielsweise zwei oder mehr Applikationen aus verschiedenen Ländern auf einer Karte zu speichern. Je nach Land wird dann die betreffende eTicket-Applikation angesprochen. Vor allem die grenzüberschreitenden Verkehre sind hier Treiber, da es in den Grenzregionen oftmals Linienverbindungen aus mehreren Ländern gibt und damit einen alltäglichen Bedarf an einfachen grenzüberschreitenden eTicket-Lösungen.